(Sonntag Sexagesimä) ;
Faschingspredingt anlässlich des Gundelsheimer Faschings, 12.02.2012
(Pfarrer Jochen Zimmermann)


Liebe Gemeinde,

heut hörn Sie Gedanken mal außer der Norm,
ich schrieb eine Predigt in des Dichters Form.
Es passt zu den Faschingstagen in Gundelsheim,
meine Rede, Sie verzeihn, in holprigem Reim.
Auch die Rhetorik sagt, das macht Sinn,
der Zuhörer hört beim Reimen besser hin.

Eine Stimme gleich in mir fragt,
darf der Pfarrer das machen?
Fasching und Glaube sind doch verschiedene Sachen!
Doch will ich uns jetzt zeigen,
wie Carneval und Kirche sich vereinen.
Wer scheiden will Fasching und Religion,
dem sage ich, beide kommen aus ähnlicher Tradition.

Ja, ich sage es unumwunden,
der Narr und der Christ sind in der Tiefe verbunden

Da hat gemeint in einem Brief der Paulus,
in dem er schrieb zu Anfang und am Schluss:
Ein Narr sei er, weil er an Christus glaubt,
das habe ihm so manchen Schlaf geraubt.
Denn wer ein Nachfolger Christi sein will,
der muss treiben ein verrücktes Lebensspiel.
Drum reiste er in der Welt umher,
durch Wüsten, Meere, Gefahren - noch viel mehr.
Er hat gelitten, wurde gefoltert,
wurde zum Spott und zum Hohn,
und das alles nur für Christi Lohn.
Er geriet auch in Ekstase und Entzücken,
konnt sogar in den Himmel blicken.

Ein Narr, sagt der Paulus, muss der sein,
Der wie Christus lebt Tag aus, Tag ein.

Übrigens gibts die Narren schon seit alten Zeiten.
Sie kritisierten die, die hohe Ämter bekleiden.
Sie ermahnen uns, dass alle Menschen gleich,
ob Kaiser oder Sklave, ob arm oder reich.
Auch Bischöfe und der Papst blieben nicht verschont,
alle, die ganz oben, werden einmal entthront.

So stehts auch in der Bibel, deutlich und klar
zum einen im Lobgesang der Maria:
Die sagte, Menschen, die ihre Nase hoch stellen,
wird Gott missachten und verprellen,
die Mächtigen stößt er vom Thron
und gibt den Armen reichlich Lohn,
die Hungrigen lässt er mit vollen Händen dastehen
und die Reichen werden leer ausgehen.
Wer die Bibel kennt, dabei auch gleich an die Seligpreisungen denkt.
Dort verkündet Jesus von einem Berg,
wie er sich vorstellt Gottes Werk.

Die, die leben ohne Gewalt,
erfahren von Gott großen Halt,
Die mit reinem Herz, sanft und sacht
beschenkt Gott wie ein Kind an Weihnacht.

Die Schmerzen und Krankheit erleiden,
bekommen Trost von Gottes Seiten,

die Menschen, die sich für Frieden engagieren,
werden am Ende vor allen anderen jubilieren,

und die, die Barmherzigkeit tun,
dürfen in Gottes Barmherzigkeit ruhn.

Wer diese Worte – von Jesus und Maria – genauer liest,
weiß, wie Gott das Leben misst:
Was bei uns oben ist, ist in Wahrheit unten ganz,
was bei uns unten, erhebt Gott in vollem Glanz.
Passt bei uns der Deckel auf den Topf,
stellt Gott den gesamten Topf auf den Kopf.
Wer die Welt mit Gottes Augen will sehn,
der muss alles umgekehrt drehn.
Die Letzten werden die Ersten sein,
die Ersten kommen als Letzte ins Paradiese rein.

Das ist der Bibel Sinn,
ein Buch mit viel Wundern und gar Verrücktem - soll ich sagen, Närrischem?- drin.

Ja, ich sage es unumwunden,
der Narr und der Christ sind in der Tiefe verbunden!

Ein zweites am Narr mir gefällt,
er brachte früher die Wahrheit in des Königs Welt.
Er hielt dem Mächtigen den Spiegel vor,
dass auch ein König tendiert zum Tor.
Allerdings wurde der Narr,
wenn der König nicht gelacht,
schnell um einen Kopf kürzer gemacht.
Ich denk an die Propheten im Alten Testament,
die sich vor die Könige stellten vehement.
Rückten die Oberen zurecht aus Gottes Sicht,
brachten so manchen Unglauben ans Licht.

Der Prophet Ezechiel zum Beispiel musste ein Buch essen,
der Jona wurde vom Wal gefressen,
der Jeremia gefangen in einer Zisterne,
den Amos jagten sie in die Ferne,
der Daniel überlebte Löwengrube und Feuersbrunst,
keiner von ihnen erfuhr des Königs Gunst.
Denn wer den Menschen die Wahrheit vorhält,
der gilt oft nichts in unsrer Welt.
Der wird belächelt, gestoßen und gerempelt,
von vielen als ein Clown abgestempelt.

Doch die Bibel, Gott sei dank,
andere Geschichten erzählt,
was nichts ist, das Geringe,
das hat Gott erwählt.

Ja, ich sage es wieder unumwunden,
der Narr und der Christ sind in der Tiefe verbunden.

Ich denk an Jesus und seinen Lebenstil,
ein echtes Glücks- und Trauerspiel,
Denn je mehr er den Weg der Liebe ging,
wuchs der Hass und der Neid gegen ihn.
Er feierte mit den Unteren der sozialen Leiter,
war bei Zöllnern und Zwielichtigen ausgelassen und heiter,
verteidigte der Prostituierten Recht,
am Ende bekam ihm das alles sehr schlecht.
Die Menschen haben ihn zum Narren gemacht
und haben dabei über ihre eigene Schuld gelacht.
Hinter Christi Narrenmaske findet sich
Gottes barmherziges Liebes-Ich.

Denn am Ende vor Gott zählt,
wen die Welt nur gequält.
Wer als Narr in der Welt wurd befunden,
mit dem hat sich Gottes Liebe verbunden.

Gott stand Jesus bei in Leid und Not,
und dann sogar auch noch im Tod.
Den größten Glauben und die höchste Macht
hat der, der über den Tod hinaus lacht.

Das Lachen ist für beide das schönste Gut,
Er gibt dem Christen Hoffnung und Mut,
dem Narren entfacht er die Lebensglut.

Ich stell mir Gott als Lachenden vor
Wie jener Vater, der seinen Sohn umarmte, den er einst verlor.

Nochmal wird mir klar, ganz unumwunden,
der Narr und der Christ sind tief verbunden.

Freilich unter den Narren von heut
Gibt’s auch merkwürdige Leut.
Manche übertreiben das Carnevalsspiel,
haben der Masken und Macken zuviel.
Es steckt auch oft viel Traurigkeit
hinter dem Schein von Heiterkeit.
Und vor allen Dingen,
Lachen und Humor lassen sich niemals erzwingen.

Aber mal ehrlich,
sind wir Christen nicht ähnlich
Viele wollen frömmer und besser sein
und sind an Lebenserfahrung so klein.
Manche übertreiben das Glaubensspiel,
haben an Moral und Wahrheit viel zu viel.
Dann hinter der Maske von Gottesmut,
sich ein dunkler Abgrund auftut.
Denn auch hier gilt vor allen Dingen:
Glaube lässt sich nicht erzwingen.

Beides – Glaube und Lachen mit Witz
Ist kein menschlicher Besitz,
es kommt von Gott, sein Geist gibts uns ein,
nur so können wir Glaubende und Lachende sein.

Das war die Predigt im Reim.
Lade nun zum Abendmahl ein.
Für den es heiter,
sag es weiter,
wem nich,
behälts für sich,
in Gottes Namen
sag ich jetzt:
Amen



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