(Sonntag Lätare);
Predigt zum Konfi-MitmachGottesdienst "Gerechtigkeit in der Welt" über Markus 10, 17-25 "Der reiche Jüngling", 18.03.2012 (Pfarrer Jochen Zimmermann)


Als Jesus weitergehen wollte, kam ein Mann zu ihm gelaufen, warf sich vor ihm auf die Knie und fragte: »Guter Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?«
Jesus antwortete: »Warum nennst du mich gut? Nur einer ist gut: Gott! Und seine Gebote kennst du doch: Du sollst nicht morden, nicht die Ehe brechen, nicht stehlen, nichts Unwahres über deinen Mitmenschen sagen, niemand berauben; ehre deinen Vater und deine Mutter!«
»Lehrer«, erwiderte der Mann, »diese Gebote habe ich von Jugend an alle befolgt.«
Jesus sah ihn an; er gewann ihn lieb und sagte zu ihm: »Eines fehlt dir: Geh, verkauf alles, was du hast, und gib das Geld den Armen, so wirst du bei Gott einen unverlierbaren Besitz haben. Und dann komm und folge mir!«
Der Mann war enttäuscht über das, was Jesus ihm sagte, und ging traurig weg; denn er hatte großen Grundbesitz.
Jesus sah seine Jünger der Reihe nach an und sagte: »Wie schwer haben es doch die Besitzenden, in die neue Welt Gottes zu kommen!«
Die Jünger erschraken über seine Worte, aber Jesus sagte noch einmal: »Ja, Kinder, es ist sehr schwer, dort hineinzukommen!
Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in Gottes neue Welt.«

In der Geschichte, dir ihr gerade gelesen habt, haben wir von einem sehr reichen Menschen gehört.
Er ist so reich, dass ihm nichts mehr fehlt. Er kann sich alles leisten. Er gehört zu den Glücklichen seiner Zeit! Auf den Boulevard-blättern, den Illustrierten, den Klatschseiten damals würde sein Bild ständig zu sehen sein!
Die Geschichte eines Reichen ist in der Bibel eine Ausnahme. Die Bibel handelt nicht von Wohlhabenden und Reichen, nicht von Millionären, nicht von der high society. Gut, König Salomon und König David und Hiob nagten nicht gerade am Hungertuch, aber auch die sind Ausnahmen. Nicht die Fürstenhäuser von Monaco, von England und Schweden stehen hier im Blickpunkt. Nicht das Leben der Superreichen und Milliardäre. Nicht der Luxus der oberen Zehntausend wird hier neugierig und sehnsüchtig bestaunt.
Die Bibel zeigt uns einen Blick von unten sozusagen, von ganz unten meistens. Meistens sind es einfache, eher ärmere Menschen oder auch wirklich ganz arme. Vor allem aber Menschen, denen Geld eben nicht alles ist. Es wird von Menschen erzählt, die nichts mehr haben, die in einer massiven Lebenskrise stecken und nicht mehr vorwärts kommen. Solche stehen im Mittelpunkt, die sich nach einem besseren, gerechteren Leben sehnen, weil sie ein furchtbares Lebensschicksal getroffen hat. Leute kommen zu Wort, die von anderen schon längst abgeschrieben worden sind.
Jesus selbst war ein – für unsere Begriffe – wirklich armer Mensch. Er hatte als Erwachsener nicht einmal ein ordentliches Dach über dem Kopf. Er erlernte zwar einen Handwerksberuf. Schreiner war er. Später übte er keinen lohnabhängigen Beruf mehr aus und lebte auf der Straße. Wir würden Jesus heute unter den Obdachlosen finden.
Die Menschen, auf die er trifft, sind ebenfalls sehr arm. Ein Beweis ist das Vaterunser, das wir nachher beten werden: Die Bitte ums tägliche Brot kommt uns hier bei uns komisch vor, wir machen uns darüber keine Gedanken. Wir haben Tag für Tag etwas auf dem Tisch. Aber zur Zeit Jesu war das tägliche Essen alles andere als selbst-verständlich, und für eine Milliarde Menschen ist es das heute immer noch nicht!
Der Reiche in unserer Geschichte wünscht sich das ewige Leben. Das fehlte ihm noch zum Glück! Er möchte gern noch – so vermute ich – ein Sahnehäubchen Ewigkeit zu seinem Geldglück. Wäre ja nicht schlecht, wenn man zum ganzen Vermögen auch noch den Himmel bekommt! Also ganz wunschlos ist er nicht! Dieses fehlt ihm noch!
Haben Sie sich, habt Ihr euch einmal überlegt, warum es in einem der reichsten Länder der Erde, in Deutschland, Armut gibt?
Eigentlich muss bei uns nach den Sozialgesetzen niemand arm sein. Jedem steht ein Existenzminimum zu! Und doch gibt es sie. Warum?
Weil die Armut relativ ist! Menschen werden nicht nur materiell arm sondern auch seelisch und sozial. Die Armut in Deutschland ist besonders eine seelische-soziale Armut!
In vielen Fällen!
So wie bei jenem jungen Reichen!
Er wollte das Glück auch für seine Seele!!! Was geschieht?
Zuerst fragt ihn Jesus nach den 10 Geboten.
Er antwortet, dass er sie schon immer befolgt hat. Aber das reicht noch nicht! Viele Menschen, die gefragt werden, was ihnen zum Christentum einfällt, sagen: die zehn Gebote! Die scheinen am bekanntesten zu sein! Aber Jesus sagt: das reicht noch nicht!
Es reicht nicht, wenn du anständig, korrekt und ordentlich lebst. Wenn du immer nur tust, was richtig ist.
Du musst auch wissen, was das Wichtigste für dich ist!
Du musst ein Ziel haben im Leben. Und dieses Ziel kann für die Bibel nur heißen, dass es allen Menschen gut geht – es muss Frieden herrschen: Shalom.
Wir sprachen ja gestern über die Gerechtigkeit am Beispiel von Burundi: Maison Shalom heisst das Waisenhaus von Margarite Barankitse, kurz Maggi,: Haus des Friedens. Sie hat dieses Ziel des Glauben umgesetzt.
Für den christlichen Glauben ist es undenkbar, dass einer sagt: Ich glaube an Gott, ich lebe auch nach den 10 Geboten, ich schade niemandem, ich tue alles, so wie es der Staat von mir verlangt, aber was um mich herum passiert, wie es meiner Nachbarin geht, wie es um die Menschen in meiner Stadt steht und wohin unsere Welt steuert, ist mir egal.
Es ist unmöglich, biblisch gesehen, zu sagen, ich werde konfirmiert, ich bin getauft, aber die Armut in dieser Welt ist mir doch egal.
Wer an Gott glaubt, wer Jesus und sein Leben kennt, wer sich zu seiner Konfirmation und zur Kirche bekennt, der denkt nicht nur an sich, der denkt auch an andere – hier bei uns in Deutschland und auf der Welt.

Eines fehlt dir, geh, verkauf alles, was du hast und gib dein Geld den Armen, so wirst du bei Gott einen unverlierbaren Reichtum haben und dann geh mit mir!

So hört sich Gerechtigkeit bei Jesus an.

Um es einmal mit meinen Worten sagen: Jesus rät dem Reichen: Wenn du es wirklich ernst meinst, wenn du wirklich Gott liebst, und ihm ganz vertrauen willst, dann überlege, was dir wirklich wichtig ist im Leben!
Dann hänge dich nicht an dein Geld und Vermögen, es wird dir kein Glück bringen. Gib dem Vertrauen in Gott die erste Stelle, deinem Besitz die zweite und dann hilf denen, die das Geld nötiger haben als du! Entscheide dich erst für die richtige Reihenfolge und dann tu etwas für andere! Tu etwas gegen die Armut mit deinem Reichtum!

Ihr erinnert euch, Konfirmanden, an die gestrige Erzählung über die Maggy. Sie hat in einer bedrohlichen Situation ihres Lebens für sich entschieden, was das Wichtigste ist. Sie hatte die Menschen der armen Hutus – obwohl sie selbst eine reiche Tutsi war-, retten wollen, als sie von den Soldaten getötete werden sollten. Sie brachte sie im Bischofssitz in Sicherheit. Aber die Soldaten drangen in das Haus des Bischofs ein. Sie flehte um Verschonung. Ihr Onkel führte die Armee an. Dann stellte sie sich vor die Kinder. Eine Frau vertraute ihr ihr Kind an. Die Erwachsenen wurden alle ermordet. Sie wurde zur Mutter der Waisenkinder, die verschont wurden.
Das war die Entscheidung der Maggy für Gerechtigkeit.
Übrigens hätte sie auch noch reicher sein können. Sie erhielt 2005 einen Preis, der mit 100000€ dotiert war. Das Geld wird in den Bau einer Klinik investiert.

Jesus will uns nicht zu Armen machen!
Er will aber unsere Einstellung zum Geld und zum Reichtum ändern.
Es gibt einen Reichtum, der gar nicht am Geld hängt. Oder anders gesagt, wer von uns seelisch reich ist, der ist vom Geld nicht abhängig.
Könnten wir Margarite Barankitse fragen, ob sie reich sei, würde sie mit Sicherheit antworten: Ja! Ich bin reich, weil ich mich damals für die Kinder und gegen meinen eigenen Stamm entschieden habe.

Als ich euch fragte, was wir hier in Deutschland für Gerechtigkeit tun können, habt ihr fast alle geantwortet: wir können SPENDEN!
Ja, in der Tat! Wenn Ihr das macht, dann tragt ihr dazu bei, dass unsere Welt ein Stück gerechter wird.
Denn wer teilen kann und von sich gibt, wird nicht ärmer, sondern reicher.
Amen



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