(Sonntag Estomihi) ;
Faschingspredingt anlässlich der Gundelsheimer Faschingstage 2013
(Pfarrer Jochen Zimmermann)


Liebe Gemeinde,
heut hörn Sie Gedanken außer der Norm,
eine Predigt in poetischer Form.
Sie passt zu den Faschingstagen in Gundelsheim,
meine Rede, Sie verzeihn,
in holprigem Reim.

Mein Thema:
Der Ernst und der Humor –
beide kommen ja im Leben doch
gleichermaßen vor –
Nur in der Kirche nicht,
da macht man überwiegend ein strenges Gesicht!
Warum, warum – frag ich mich schon lang,
warum lachen wir nicht viel mehr bei Gebet und Gesang?
Warum geht mancher mit gesenktem Kopf zum Abendmahl,
die Mimik zeigt weniger Freude mehr Qual,
Warum heisst es oft, sei still, du bist in Gottes Haus,
und verhalten klingt in der Kirche der Applaus.
Mal ehrlich, wie stellen Sie sich Gott denn vor:
Eher heiter, gelöst und schmunzelnd,
oder verkniffen und stirnerunzelnd?
Ist er eher ein miesepetriger, wehleidiger Mann
oder ein hoffnungsgeladenes Wesen,
das schallend lachen kann?

Man sagt, die Bibel ein schweres Buch halt sei,
man meint nicht ihr Gewicht, sondern die Innerei!
Moral und Gesetz sei ihr Ton.
Schließlich geht’s um Gott und seinen Sohn.

Wo man handelt von heiligen Sachen,
darf der Mensch alles, nur nicht lachen.
Ich glaub, das haben sich ein paar lichtscheue Gesellen ausgedacht,
bei denen wird nur im Keller gelacht.
Drum stimmt mit mir ein in den himmlischen Chor:

Der Ernst ist wichtig, doch viel größer noch ist der Humor.

Beide wie Geschwister sind,
die sich oft hassen
und doch können voneinander nicht lassen!
Es ist mit allem so, was geschieht,
es kommt immer drauf an, wie man es sieht.

Schlag ich die Bibel auf,
nimmt Blatt für Blatt die Heiterkeit ihren Lauf!
Gott machte nach sechs Tagen eine Schaffenspaus,
ja wie sah das wohl aus?
Schlief er mal so richtig lang und träumte
davon, was er alles kann?
Nein,
ich weiß schon, was er am 7. Tage machte,
er sah staunend die Erde an
und lachte, lachte, lachte…

Old Noah, was niemand ihm glaubte,
ein Schiff vor dem großen Wasser baute.
Er lud die Tiere zur Kreuzfahrt ein,
was muss das für eine Crew gewesen sein?

Elefanten, Mäuse, Schweine und Affen,
Tiger, Spatzen, Papageien, Giraffen,
Katzen und gewiss auch ein Lama.
Eine riesig schwimmende Wilhelma.
Ja, wurden die Menschen in diesem Kasten
nicht krank- nicht aus Platzangst,
nein, vor lauter Gestank?
A Diese Geschichte ist so witzig wie verrückt.
Aus damaliger und heutiger Sicht.

Oder Davids bekannte Heldentat
mit dem starken Goliath.
Der riesenhafte Kämpfer
erhielt von einem Hirtenjunge einen tödlichen Dämpfer.
Mit Schleuder, Witz und Gott im Sinn,
streckte der Schwächere den Stärkeren hin.
Wer die Geschichte geschrieben,
hat Lach-Tränen aus den Augen gerieben.

Man hört oft, Jesus zeigte nie ein heiteres Gesicht,
ich sage: was selbstverständlich ist
davon schreibt man nicht.

Warum sind denn die Jünger spontan mit ihm gegangen?
Ja, sie waren von seiner Fröhlichkeit gefangen.
Bei der Hochzeit zu Kana saß er da mit Grämen?
Nein, er freute sich, schäkerte, war komisch
ohne sich zu schämen.
Warum luden die Leute ihn nach Haus ein?
Das versprach immer interessant und auch lustig zu sein!
Jesus feierte ausgelassen und mochte Gesang,
freute sich am Leben, indem er das Tanzbein schwang.
Ich bin mir wohl bewusst, Jesus hat kluge und ernste Worte gewählt,
bestimmt er hat auch Witze erzählt.
Dass niemand sie heute mehr weiß
ist für mich kein Beweis.
Denn bei den Evangelisten war es wie bei mir,
es gehört eben nicht zu meinen Stärken-
ich kann mir Witze nicht merken.
Drum stimmt mit mir ein in den himmlischen Chor:

Der Ernst ist wichtig, doch viel größere noch ist der Humor.

Jesus liebte das Leben in vollen Zügen,
wers nicht glaubt, der tut sich nur selbst belügen.
Denn das Leben ist rund und ganz
mit Schatten und mit Glanz,
mit Gestern und mit Morgen,
mit Frohsinn und mit Sorgen,
mit hoch und runter, raus und rein
mit Kreuz und Auferstandensein.
Wer nur die eine Hälfte des Lebens nennt,
nicht die ganze Wahrheit kennt.
Wer nur vom halb leeren Glase spricht,
verschweigt eben die halbvolle Sicht.
Das Kreuz ist wichtig
doch ebenso ist Auferstehung richtig.
Um dies jetzt zu vertiefen
müssten wir lesen
in den paulinischen Briefen.
Das führt uns viel zu weit
und nimmt uns die Gelassenheit.
Eines nur:
Die Gegner des Apostels
wähnten sich schon im Paradies,
dagegen er immer wieder
auf das Kreuz Christi verwies.
Doch, Paulus verzeih, diese Zeit ist vorbei,
was du nicht konntest ahnen,
das Leben läuft heut in anderen Bahnen.

Wir haben in der Kirche immer nur die Schwere bedacht,
und nicht mehr an die Leichtigkeit des Seins gedacht.
Von Sünde, Schuld und Strafe wurde ständig gesprochen,
so, als hätte jede und jede wirklich etwas
Schlimmes verbrochen.
Was man nicht versteht, wie solls mans glauben,
wir müssen heute andere Worte gebrauchen. Nämlich so
wie Jesus den Menschen sieht,
dass nämlich etwas Positives mit jedem geschieht!
Es ist wie im Leben-
wer immer nur kritisiert,
am Ende die Schönheit und die Heiterkeit verliert.
Kritik ist gut,
doch auch zum Loben gehört viel Mut.

Die Christen müssen von den Menschen
heute mehr positiv denken,
ihnen Hoffnung und Zukunft und vor allem
ein ehrlich gemeintes Lächeln schenken.
So wie Nietsche sagt,
er wünscht sich den Christen
als einen, der viel häufiger lacht.
Drum stimmt mit mir ein in den himmlischen Chor:

Der Ernst ist wichtig doch viel größere noch ist der Humor.

Es ist, nebenbei bemerkt,
bis zu den Therapeuten heut vorgedrungen,
eine Therapie gilt dann als wirklich gelungen,
kommt der Arzt an den Patienten so weit ran,
dass dieser endlich wieder lachen kann.

Ressourcenarbeit nennt sich das
etwas geschwollen,
es geht einfach darum:
mehr zu schmunzeln als zu schmollen.

Erläutern solls ein kleines Beispiel.
Es ist ein ganz alltägliches Spiel.
Es macht ein riesen Unterschied
in was für ein Gesicht man sieht.
Blicke ich selbst finster drein,
wird die Reaktion ebenso verbissen sein,
seh ich heiter und freundlich aus,
lock ich beim anderen ein Lächeln raus.
Als Kinder haben wir dies Spiel oft gemacht
, es heißt: wer zuerst von uns lacht!
Ich sags in einfachem Stil,
der Ernst reicht nur bis zum Kopf,
der Humor bis zum Gefühl!

Ich wünschte mir, dass wir in kleinen Schritten
führn unsere Kirche zu neuen Riten,
so dass, wer immer kommt ins Gottes Haus,
geht mit Hoffnung und heiterem Gesicht wieder raus.
Wie eine, die war auf einer Feier,
und fühlt sich nun viel freier.
Wie jemand, der voller Glück,
schaut nach vorne nicht mehr zurück!
Drum stimmt mit mir ein in den himmlischen Chor:

Der Ernst ist wichtig, doch viel größer noch ist der Humor.

Das war die Predigt in Versen,
alles wollte ich,
nur nicht nerven.
Für den es heiter, sag es weiter,
wem nicht, behälts für sich,
in Gottes Namen
sag ich jetzt:
Amen

Gott,
du bist die Quelle der Hoffnung und der Lebensfreude.

Mach Gott,
dass wir immer wieder
aus Trauer zur Freude,
aus der Angst zum Mut,
aus der Verbitterung zur Gelöstheit,
aus der Verkrampfung zur Entspannung finden,
gib, dass die Freundlichkeit
unter uns immer wieder siege.
Löse du mit unserer Hilfe
Menschen aus ihrer Verzweiflung,
lass bitte niemand zu klein von sich denken.
In deinen Augen ist jeder Mensch
unendlich viel wert.
Lass uns achtsam sein mit dem Leben,
mit der Würde anderer,
mit ihren Fähigkeiten.
Schenk uns Zeit des Glücks,
lass uns schwere Zeiten geduldig tragen.

Sei du immer wieder neu
Gelassenheit und Heiterkeit in mir.

Amen.



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